Langes Gesicht nach einer Kieferumstellung: warum es vorkommt und wie eine Kinnkonturierung helfen kann

Nach einer gut durchgeführten Kieferumstellung wirkt das Gesicht für manche Patientinnen und Patienten trotzdem lang. Die Erklärung ist chirurgisch: Die Kieferumstellung verlagert den Knochen, verändert aber nicht seine Form. Warum das so ist und wie eine Kinnkonturierung an der eigentlichen Ursache ansetzt.

Dr. Javier Gutiérrez, Gesichtschirurg und Gründer der ARQÉA Clinic, mit zwei Chirurgen bei einem Kurs für orthognathe Chirurgie

‍

Kurz gesagt: Die Kieferumstellung verlagert die Kiefer, verändert aber nicht Form und Volumen des Knochens. Deshalb steht bei manchen Patientinnen und Patienten mit Klasse-III-Biss das Kinn weiter vor, und das Gesicht wirkt immer noch lang. Die Kinnkonturierung verringert mit Osteotomien und geführtem Knochenremodelling die Höhe des Kinns und verändert gezielt seine Form. Werden beide Eingriffe in einer Sitzung kombiniert, kommt die Kinnkonturierung zuerst.

‍

Zwei Profile: Nach einer Kieferumstellung allein steht das Kinn vor und das Gesicht wirkt lang, eine Kinnkonturierung verringert seine Höhe
Die Kieferumstellung verlagert die Struktur, formt sie aber nicht um. Die Kinnkonturierung verringert die Höhe des Kinns und verändert gezielt seine Form.

‍

Es kommt relativ häufig vor, wird aber selten angesprochen: Patientinnen und Patienten, die eine Kieferumstellung hatten, deren Biss korrigiert ist und die besser kauen können, haben trotzdem das Gefühl, dass ihr Gesicht lang wirkt, dass das Kinn zu weit vorsteht oder dass das untere Gesichtsdrittel nicht zum Rest passt. Dieser Eindruck ist nicht unbegründet: Es gibt eine chirurgische Erklärung dafür.

‍

Was eine Kieferumstellung korrigiert und was nicht

‍

Die Kieferumstellung verlagert die Kiefer: Sie bewegt sie nach oben, nach vorne oder nach hinten und dreht sie, millimetergenau nach Plan. Form und Volumen des Knochens verändert sie aber nicht. Sie verlagert die Struktur, formt sie aber nicht um. Liegt der vertikale Überschuss im Oberkiefer, korrigiert genau diese Verlagerung ein knöchern bedingtes Zahnfleischlächeln.

Bei einer Bissfehlstellung der Klasse III kann dabei ein bestimmtes Problem bleiben. Der Unterkiefer wird zurückverlagert, um den Biss zu korrigieren, aber das Pogonion (der am weitesten vorne liegende Punkt des Kinns) steht manchmal weiter vor, als es die Proportionen des Gesichts zulassen. Der Knochen sitzt in seiner funktionell richtigen Position, und trotzdem lässt ihn seine Form lang wirken.

Die Verschiebegenioplastik, das übliche Mittel dafür, reicht nicht immer aus. Und wenn das Kinn ohne patientenspezifische Schablonen abgefräst wird, ist das Ergebnis oft schwer vorhersehbar: Asymmetrien, Unregelmäßigkeiten in der Kontur, ein weniger klar definierter Unterkieferrand.

‍

Die Kinnkonturierung

‍

Bei mehr als 1.050 operierten Patientinnen und mehr als 3.000 Eingriffen habe ich gelernt, dass sich das untere Gesichtsdrittel nicht als ein einziger Block behandeln lässt. Kinn, Unterkieferkörper und Kieferwinkel sind Strukturen, die voneinander abhängen.

Mit Osteotomien und geführtem Knochenremodelling lässt sich bei der Kinnkonturierung die Höhe des Kinns verringern und seine Form gezielt verändern, ohne die Funktion zu beeinträchtigen: Die Muskeln werden wieder an ihrem Platz befestigt, der Kinnnerv (Nervus mentalis) wird geschont, und das Ergebnis bleibt auf Dauer stabil.

Der Unterschied zum herkömmlichen Abfräsen liegt in der Planung und in den Schablonen. Wir arbeiten mit einer virtuellen 3D-Planung anhand eines DVT (digitale Volumentomographie, auch Cone-Beam-CT oder CBCT genannt) und mit Schnittschablonen, die für jeden Fall eigens angefertigt werden. So wird aus einem Vorgehen, das traditionell schwer vorhersehbar war, ein reproduzierbarer Eingriff.

‍

In Kombination mit einer Kieferumstellung zählt die Reihenfolge

‍

Wenn wir uns entscheiden, Kinnkonturierung und Kieferumstellung in derselben Sitzung durchzuführen, ist die Reihenfolge nicht gleichgültig.

Die Kinnkonturierung kommt zuerst. Der Grund ist technisch: Wenn wir das Kinn umformen, bevor wir den Ober- und Unterkieferkomplex mobilisieren, verhindern wir, dass die Kräfte der Kieferumstellung die Fixierung und die Stabilität der neuen Kontur beeinträchtigen. Ist das Kinn fertig, führen wir die Kieferumstellung nach dem Prinzip „Oberkiefer zuerst“ durch, mit Schablonen und PSI-Platten (patientenspezifischen Implantaten), die nach dem Plan angefertigt werden.

Diese Reihenfolge, zuerst die Konturierung und danach die Kieferumstellung, haben wir in einem Artikel im British Journal of Oral and Maxillofacial Surgery beschrieben, mit dem Titel Combined orthognathic surgery and jaw contouring to improve long face stigma: Lessons learned from facial feminisation. Ihr folgen wir bei ARQÉA, wenn die Indikation es rechtfertigt.

‍

Wann diese Kombination angezeigt ist

‍

Nicht alle mit Klasse-III-Biss und langem Gesicht brauchen sie. Für die Entscheidung zählt vor allem:

  • dass das Pogonion nach Erstellung des Plans für die Kieferumstellung weiter über die angestrebten Proportionen hinaus vorsteht;
  • dass sich die Höhe des unteren Gesichtsdrittels mit den geplanten Knochenverlagerungen nicht ausreichend normalisiert;
  • dass die Form des Kiefers selbst, nicht nur seine Lage, zum Eindruck eines langen Gesichts beiträgt;
  • und dass die gesamte OP-Dauer aus Sicht der Anästhesie sicher beherrschbar bleibt.

Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, ist es sinnvoll, beide Eingriffe in einer Sitzung zu kombinieren: ein Zugang im Mund, eine Genesung und ein Ergebnis, das Funktion und Form des unteren Gesichtsdrittels zugleich berücksichtigt.

‍

Was du erwarten kannst

‍

In diesen Fällen zeigt sich die Verbesserung im unteren Gesichtsdrittel meist im Laufe des ersten Jahres. Das lange Gesicht, das die Kieferumstellung allein nicht korrigiert hatte, wird besser, weil seine Ursache behandelt wurde: nicht nur die Lage der Knochen, sondern auch ihre Form.

Vorhersehbar wird das Ergebnis durch drei Voraussetzungen, auf die wir nie verzichten: eine vollständige virtuelle Planung, bevor es in den OP geht, patientenspezifische Schnittschablonen für jede Osteotomie und die Schonung der Muskeln, die am Kinn ansetzen. Sie sorgen für die Stabilität auf lange Sicht.

Wenn du eine Kieferumstellung hattest und mit der Länge oder dem Vorstehen deines unteren Gesichtsdrittels immer noch nicht zufrieden bist, brauchst du vielleicht keine weitere Kieferumstellung, sondern eine Korrektur der Form von Kinn und Kiefer. Genau das beurteilen wir in der Beratung, Fall für Fall.

‍

Häufige Fragen

‍

Warum wirkt mein Gesicht nach einer Kieferumstellung immer noch lang?

Die Kieferumstellung verlagert die Kiefer, verändert aber nicht Form und Volumen des Knochens. Bei einem Klasse-III-Biss wird der Unterkiefer zurückverlagert, um den Biss zu korrigieren, aber das Pogonion (der am weitesten vorne liegende Punkt des Kinns) steht manchmal weiter vor, als es die Proportionen des Gesichts zulassen.

‍

Reicht eine Verschiebegenioplastik, um ein langes Kinn zu korrigieren?

Die Verschiebegenioplastik, das übliche Mittel dafür, reicht nicht immer aus. Und wenn das Kinn ohne patientenspezifische Schablonen abgefräst wird, ist das Ergebnis oft schwer vorhersehbar: Asymmetrien, Unregelmäßigkeiten in der Kontur oder ein weniger klar definierter Unterkieferrand.

‍

Was ist eine Kinnkonturierung?

Mit Osteotomien und geführtem Knochenremodelling lässt sich bei der Kinnkonturierung die Höhe des Kinns verringern und seine Form gezielt verändern, ohne die Funktion zu beeinträchtigen. Wir arbeiten mit einer virtuellen 3D-Planung anhand eines DVT und mit Schnittschablonen, die für jeden Fall eigens angefertigt werden.

‍

Lassen sich Kinnkonturierung und Kieferumstellung gleichzeitig durchführen?

Ja, wenn die Indikation es rechtfertigt, und dann zählt die Reihenfolge: zuerst die Kinnkonturierung, danach die Kieferumstellung nach dem Prinzip „Oberkiefer zuerst“. Wird das Kinn umgeformt, bevor der Ober- und Unterkieferkomplex mobilisiert wird, können die Kräfte der Kieferumstellung die Fixierung und die Stabilität der neuen Kontur nicht beeinträchtigen.

‍

Für wen kommt die Kombination aus Kinnkonturierung und Kieferumstellung infrage?

Nicht alle mit Klasse-III-Biss und langem Gesicht brauchen sie. Angezeigt ist sie, wenn das Pogonion nach der Planung weiter über die angestrebten Proportionen hinaus vorsteht, sich die Höhe des unteren Gesichtsdrittels nicht ausreichend normalisiert, die Form des Kiefers zum Eindruck eines langen Gesichts beiträgt und die gesamte OP-Dauer sicher beherrschbar bleibt.

‍

Wann sehe ich das Ergebnis einer Kinnkonturierung?

In diesen Fällen zeigt sich die Verbesserung im unteren Gesichtsdrittel meist im Laufe des ersten Jahres. Das lange Gesicht wird besser, weil seine Ursache behandelt wurde: nicht nur die Lage der Knochen, sondern auch ihre Form.

‍

Was kostet eine Kinnkonturierung bei ARQÉA?

Eine Kinnoperation kostet bei ARQÉA 6.000 €, Vollnarkose und OP-Zentrum inklusive. In Kombination mit einer Kieferumstellung legen wir den Preis in der Beratung fest. Eine erste Schätzung bekommst du mit unserem Preisrechner (auf Englisch); den endgültigen Kostenvoranschlag bestätigen wir dir nach der Beratung schriftlich.

‍

‍

→ Jetzt kostenlose Beratung buchen

‍